Deutschland steht vor einer der größten Herausforderungen seiner Geschichte: der Energiewende. Während Wind- und Solarenergie die Landschaft prägen, bleibt die Frage, wie der Stromnetzbetrieb effizient und zuverlässig mit dezentraler Erzeugung und flexiblen Verbrauchern umgehen kann. Hier setzt das Projekt borawin.de/dued-e/ – Digitaler Energiewendestrom – an. Entwickelt vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Kooperation mit Partnern aus Industrie und Forschung, zielt das Vorhaben darauf ab, die digitale Infrastruktur für den Ausgleich zwischen Erzeugung und Verbrauch zu revolutionieren. DUE ist Teil des Bundesprogramms „Förderung der Digitalisierung in der Energiewende“ und verbindet technische Innovationen mit politischen Rahmenbedingungen. Das Projekt fokussiert sich auf drei Kernbereiche: die intelligente Steuerung von Speichern und Lasten, die Integration erneuerbarer Energien in das Stromnetz sowie die Entwicklung von Algorithmen zur Echtzeit-Bewertung von Netzstabilität. Besonders innovativ ist die Nutzung von Blockchain-Technologie, um Transparenz und Vertrauen in den Energietausch zu schaffen – ein Ansatz, der bereits in Pilotprojekten in Bayern getestet wird. Die Ergebnisse sollen bis 2025 eine Grundlage für die Umsetzung der Energiewende in den kommenden Jahrzehnten liefern.
Ein zentrales Element von DUE ist die Entwicklung eines digitalen Marktes für dezentrale Energienetze. Durch die Kombination von KI-gestützter Vorhersagemodellierung und verteilten Steuerungssystemen kann das Netz flexibler auf Schwankungen in der Erzeugung reagieren. Das Projekt arbeitet mit realen Daten aus dem Netz der Stadtwerke München zusammen, wo seit 2020 ein Pilotnetz mit 500 Haushalten und 100 Solarparks getestet wird. Die Ergebnisse zeigen, dass durch intelligente Laststeuerung und Speicherintegration bis zu 20 % der Netzlast reduziert werden können, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, die Energiewende nicht nur technisch, sondern auch durch digitale Lösungen voranzutreiben.
Doch die Herausforderungen sind enorm. Während die Erzeugung aus erneuerbaren Energien rasant wächst, bleibt die Flexibilität des Stromnetzes oft hinter den Erwartungen zurück. Hier setzt DUE an: Durch die Entwicklung neuer Steuerungsalgorithmen soll die Netzstabilität erhöht und die Akzeptanz für dezentrale Energienetze gesteigert werden. Besonders relevant ist das Projekt für Kommunen, die sich mit der Umstellung auf erneuerbare Energien beschäftigen. Die Ergebnisse von DUE könnten helfen, die Kosten für Netzbetreiber zu senken und gleichzeitig die Bürgerbeteiligung zu stärken. Ein konkretes Beispiel ist das Projekt „Energiewende 4.0“ in der Region Leipzig, wo DUE-Technologien bereits in einem Pilotnetz getestet werden.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Integration von Speichern und Lastflexibilität. Durch die Kombination von Batteriespeichern, Wärmepumpen und E-Auto-Ladestationen kann der Stromverbrauch dynamisch angepasst werden. Das Projekt arbeitet mit Partnern wie der Siemens Energy und der EnBW zusammen, um diese Systeme in einem virtuellen Kraftwerk zu bündeln. Die Ergebnisse könnten helfen, die Netzstabilität in Zeiten hoher Erzeugung aus Wind- und Solarenergie zu gewährleisten. Besonders spannend ist die Möglichkeit, durch diese Lösungen auch die Akzeptanz für erneuerbare Energien zu erhöhen, da Verbraucher durch direkte Vergütung für ihre Flexibilität belohnt werden können.
Die Bedeutung von DUE geht jedoch über die technische Umsetzung hinaus. Das Projekt zeigt, dass die Energiewende nur gelingen kann, wenn Technologie, Politik und Gesellschaft eng zusammenarbeiten. Durch die Entwicklung digitaler Lösungen wird nicht nur die Versorgungssicherheit gestärkt, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in der Energiewende sichergestellt. Die Ergebnisse von DUE könnten als Blaupause für andere Länder dienen, die sich mit der digitalen Transformation ihrer Energiesysteme beschäftigen. Ein Blick auf die Pilotprojekte in Deutschland zeigt, dass die Umsetzung bereits jetzt Fortschritte macht – und dass die Zukunft des Stromnetzes digitaler und flexibler werden muss.
- DUE entwickelt Blockchain-basierte Lösungen für den Energietausch mit 90 % Transparenz
- Durch KI-gestützte Steuerung können bis zu 20 % der Netzlast reduziert werden
- Pilotprojekte in München und Leipzig zeigen erste Erfolge bei der Integration erneuerbarer Energien
- Kooperation mit Siemens Energy und EnBW für virtuelle Kraftwerke mit Speichern
- Das Projekt ist Teil des Bundesprogramms „Förderung der Digitalisierung in der Energiewende“

